stilmittel brief
die frage nach dem digitalen sein

rosa stein an SPLITTERWERK, paris, 16.10. 1995: stellt das display des werkes so grundsätzliche fragen wie, ob es uns angst macht, daß alle menschen in einerer digitalen welt potentielle schöpfer sind und ein leben in der kontemplation von selbstge-schaffenen bildern führen, und ob wir uns vor der eigenen frei-heit fürchten? und bereitet so auf die eigendliche ausstellung in der gallery vor (aus textareas bestehend, weiß sie über eine utopie digitaler welten, digitalen seins zu berichten) so proklamiert der display von .E.A.K.H.E.M.M.R.I.C.H. sich selbst, einer digitalen leuchtreklame gleich, wirbt er für e-bilder, eigens für das net produziert, großflächig, zuweilen bild-schirmfüllend, blitzschnell erscheinend weil extrem datenklein, reihen sich einem rundgang gleich, bild für bild hintereinander, bis schlußendlich wieder der ausgangspunkt, die gallery erreicht wird und der film von neuen beginnen kann.
SPLITTERWERK an Rosa Stein, Salzburg, 13.10.1994: (...) ist unser erkenntnisproblem und damit auch unser existentielles, daß nicht überhaupt alles (dingliche), einschließlich uns selbst, als digitaler schein verstanden werden müßte? - ja und aber auch nein. denn einerseits behaupten es die wissenschaftler und philo-sophen. von den komputern wird es uns täglich vor augen geführt. andererseits sollten wir vier jahrhunderte nach gallilei gelernt haben, daß jedes modell nur solange bestand hat, solan-ge es von einem wirklicheren modell abgelöst wird, daß jedes die wirklichkeit erklärende modell das ende einer vorrange-gangenen wirklichkeit ankündigt, daß also jedes modell der wirklichkeit nicht die wirklichkeit selbst ist, sondern stets nur ein modell dieser ist und somit, daß wirklichkeit ein nie erreichbarer grenzbegriff ist.

 

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