stilmittel brief
die frage nach der kaelte hinter glas: fiktion oder realitaet

auszuege aus einem briefwechsel zwischen rosa stein und SPLITTERWERK ueber den weltprototypen 0000.00
rosa stein an SPLITTERWERK, paris, 11.11.1995: (...) wenn es euch eine hilfe ist, könnt ihr auf meinen brief vom 16.10. dieses jah-res zurückgreifen, aber informiert mich bitte vorher nocheinmal ob und was ihr genau abdrucken werdet. (...)
rosa stein an SPLITTERWERK, paris, 16.10. 1995: (...) so sitze ich nun mit meinen 75 jahren vor'm bildschirm, versuche möglichst viel zu vergessen (zum beispiel wie man bücher liest) müh' mich ab mit all den neuen so ganz anderen grenzen und mit den vielen kleinigkeiten rund um dieses - ich geb's ja zu, für mich noch immer fremde, alzu technische ding - alles sachen die die kinder von heute automatisch machen, fühl mich aber deswegen nicht älter als sonst, sondern geradewegs wieder jung, jünger als je zuvor möchte ich bald sagen, aus einer (meiner) unwissen-heit heraus selbst jünger als die meisten kinder (es erinnert mich auch sehr an meine zeit mit max und den ganzen menschen um uns herum ...) und so warte ich auf eure welt, die sich da 0000.00 (sprich 4020) nennt und von der ihr behauptet sie hätte nichts von der technokratisch-kitschigen oberflächlichkeit dieses nochdazu viel zu langsamen interneterscheinungsbildes. sie ist poetisch, schreibt ihr. ihr habt mir von eurer welt erzählt als bestünde sie nicht aus dingen, aus lebewesen eher, aus menschlichkeit.
und doch schreibt ihr mir von dingen, ihr schreibt von oberflächen, von pages und displays, von galleries, mailboxes, von lauter solchen dingen, aber es ist mir schon klar, auch unsere städte, unsere guten alten analogen stadtmaschinen leben. und sind nicht die autos und metros lebewesen gleich, die durch diese städte hasten und die menschen gleichen schaufensterpuppen, die gespenstig steif vor auslagen stehen und sich vergleichen, starrend - der unterschied ist nur die wärme die es hinter glas gibt, die selbe wärme, die draußen alles so unerträglich macht, so finster, so luftleer.

 

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