home 96/97
die frage nach dem zuhause (1)

wenn in verschiedenen kolumnen >home96< als "(schoener) wohnen in telepolis" betitelt wurde, dann trifft dieser header, vorallem wenn man es aus journalistischer sicht betrachtet, einen moeglichen kern dieses pilotprojektes. den ersten denkansatz bildete naemlich der sich veraendernde begriff des >wohnens< in einer zeit, in der eine zunehmende medialisierung der haushalte ebenso unvermeidliche wie nachhaltige konsequenzen sowohl fuer das individuum als auch fuer den es umgebenden lebens-raum nach sich zieht. einerseits droht dem einzelnen die unfreiwillige einsamkeit - in westlichen staedten bilden die alleinstehenden bereits die haelfte aller haushalte - andererseits dringt der oeffentliche raum mittels der medien in den privaten raum ein - vor sich den bildschirm und auf den ohren den kopfhoerer, statt buecher und zeitschriften als distanzhalter den laptop und das mobiltelefon. abgeschotet von der nahumgebung, in direktem kontakt mit dem fernen, draengte sich die frage sowohl nach dem "wohnen" im virtuellen raum, also im cyber-space auf, als auch nach einem gemeinschaftlichen "leben und bauen in telepolis", wie es florian roetzer ausgedrueckt hat. evident scheint die tatsache, dass der "raum" einer transformation unterliegt, einer transformation, bei der wir heute von >entoertlichung< sprechen - wobei diese entoertlichung sowohl in der virtualitaet als auch in der materialitaet ihre urspruenge und auch ihre entsprechungen findet. fragen nach qualitativen moeglichkeiten sind unvermeidlich und so lag eine primaere zielsetzung des letztjaehri-gen themenkomplexes in der ausformulierung moeglicher fragestellun-gen zur weiterentwicklung der >tradition wohnen<, d.h. im er-denken von projekten nicht als utopische manifeste sondern als fragen.

 

home   next   previous   06